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Australien: Während die Buschbrände ein ungekanntes Ausmaß annehmen, ist der Weg frei für die größte Kohlemine der Welt

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 Während die Buschfeuer in Australien außer Kontrolle geraten, soll dort eine der größten Kohleminen der Welt gebaut werden |  Bild: © Flickr [CC BY 2.0]  - Beyond Coal & Gas Image Library

Während die Buschfeuer in Australien außer Kontrolle geraten, soll dort eine der größten Kohleminen der Welt gebaut werden | Bild: © Flickr [CC BY 2.0] - Beyond Coal & Gas Image Library

Australien: Während die Buschbrände ein ungekanntes Ausmaß annehmen, ist der Weg frei für die größte Kohlemine der Welt

In Australien herrschen seit Monaten Buschbrände, die nicht nur Menschenleben bedrohen, sondern in einer unbekannten Dimension verheerende Folgen für die Tier- und Pflanzenwelt darstellen. Inmitten dieser Katastrophe soll auf dem Kontinent eine der größten Kohle-Minen der Welt gebaut werden. Der indische Konzern Adani  will nun mit der Umsetzung des Megaprojekts beginnen und der deutsche Konzern Siemens soll ihn dabei unterstützen. Die Förderung der Steinkohle würde Öl ins Feuer der weltweit steigenden CO2 Emissionen gießen. 1) Deutsche Welle: Mega-Projekt-Genehmigung für umstrittenes Kohlebergwerk in Australien; Artikel vom 13.06.2019 2) Spiegel Wissenschaft: Buschfeuer in Australien-Die ökologische Katastrophe; Artikel vom 08.01.2020

Die Situation in Australien ist erschreckend. Aufnahmen von verkohlten Tieren und fliehenden Menschen, die sich an den Stränden in Sicherheit bringen, prägen das aktuelle Bild der Nation. Die Buschbrände haben sich in einer erschreckenden Größenordnung ausgebreitet. Insgesamt sind mittlerweile 27 Menschen und mehr als eine Milliarde Tiere umgekommen. Dazu haben die Feuer eine Fläche von mehr als 10 Millionen Hektar Land verbrannt. Es ist nicht überraschend, dass die Feuer dieses Jahr so verheerend sind. Einerseits sind Buschbrände und extreme Wetterbedingungen in Australien Normalität, andererseits drängen die aktuellen Brände alle Vergangenen in den Schatten. Durch den Klimawandel  werden Rahmenbedingungen geschaffen, die das Auftreten von extremen Wetterbedingungen begünstigen. 3) Spiegel Wissenschaft: Buschfeuer in Australien-Die ökologische Katastrophe; Artikel vom 08.01.2020 4) WWF: 1.25 Milliarden tote Tiere in Australien;  Beitrag vom 07.01.2020 5) Tagesspiegel: Rettung für das Felsenkänguru-Australien lässt tonnenweise Karotten aus Hubschraubern abwerfen; Artikel vom 12.01.2020

Inmitten dieser ökologischen und humanitären Krise soll im Bundesstaat Queensland eines der größten Kohleminenwerke der Welt gebaut werden. Obwohl Australien die Folgen der globalen Erwärmung gerade eindrücklich vor Augen geführt werden, hält die Regierung an ihrem Kurs der klimaschädlichen Kohlegewinnung fest. Der indische Konzern Adani  hatte gegen Mitte letzten Jahres die Genehmigung  bekommen, das riesige Kohlevorkommen im Galiläa-Becken zu öffnen. Das Unternehmen erhielt zunächst eine Genehmigung für die Förderung von 60 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr, hat seine Ambitionen jedoch auf ca. 25 Millionen Tonnen gedrosselt. Die Kohle soll im Tage- und Untertagebau gefördert und später über 189 Kilometer per Zug an den Kohlehafen Abbot Point gebracht werden. Von da aus wird sie dann nach Indien verschifft. 6) Deutsche Welle: Mega-Projekt-Genehmigung für umstrittenes Kohlebergwerk in Australien; Artikel vom 13.06.2019 7) Frankfurter Allgemeine: Gegen alle Widerstände-Weg frei für die größte Kohlemine der Welt; Artikel vom 14.06.2019

Die Umsetzung des Projekts hätte neben den externen Folgen für den Klimawandel und den damit zusammenhängenden Auswirkungen auf die Lebensräume vieler Millionen Menschen, auch interne Konsequenzen für Mensch und Natur in Australien. Der Kohlehafen liegt in der Nähe des weltberühmten Great Barrier Reefs, welches unter dem Klimawandel ohnehin schon leidet. Dazu könnte der zunehmende Schiffsverkehr zum Abtransport der Kohle, dem empfindlichen Ökosystem enormen Schaden zufügen. Ebenso wirkt sich die Mine direkt auf die Lebens- und Kulturräume der indigenen Bevölkerung aus, die in den Gebieten schon immer leben. 8) The Guardian: Why Adani’s planned Carmichael coalmine matters to Australia – and the world; Artikel von 15.08.2017 9) Frankfurter Allgemeine: Gegen alle Widerstände-Weg frei für die größte Kohlemine der Welt; Artikel von 14.06.2019

Ausgerechnet der deutsche Konzern Siemens möchte sich an der Umsetzung des Megaprojekts beteiligen. Trotz selbstrühmender Bestrebungen, bis 2030 klimaneutral zu sein, soll Siemens die Signaltechnik für die fast 200 Kilometer lange Bahnstrecke bereitstellen. Obwohl innerhalb der letzten Jahre zahlreiche Unternehmen, Konzerne, Banken und Investoren die Zusammenarbeit mit dem indischen Konzern verweigert haben, ist Siemens immer noch mit an Bord. Entgegen heftiger Kritik von Umwelt- und Klimaschützern kündigte Joe Kaeser an,  die Teilnahme an dem umstrittenen Projekt auszuführen. „Wir müssen unsere vertraglichen Verpflichtungen erfüllen“, twitterte der Vorstandvorsitzende am Sonntagabend. Der verantwortungsvollen Vorreiterrolle kann der Konzern mit der Beteiligung an dem womöglich größten Kohleprojekt der Welt nicht gerecht werden. Auf internationaler Ebene hat die Klimaschutzstrategie des Konzerns jegliche Glaubwürdigkeit verloren. Der Entschluss, ob Siemens sich an dem Projekt beteiligt, hätte in vielerlei Hinsicht richtungsführend sein können. Ein Rückzieher Siemens wäre ein wichtiger Schritt gegen das Kohleprojekt in Australien gewesen. Das Unternehmen hätte seine klimafreundlichen Absichten unterstrichen und der Umsetzung des absurden Projekts einen Dämpfer verpasst. 10) Siemens: Siemens wird bis 2030 klimaneutral; Beitrag von 03.12.2018 11) Spiegel Wirtschaft: Kohlemine-Siemens-Chef Kaeser hält an umstrittenen Projekt in Australien fest; Artikel vom 13.01.2020 12) Frankfurter Allgemeine: Beteiligung an Kohleprojekt-Australier legen Siemens Daumenschrauben an; Artikel vom 10.01.2020

Ausschlaggebend für den Klimawandel ist vor allen die fossile Energiegewinnung. Durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas werden hohe Mengen Kohlendioxid (CO2) und Kohlenmonoxid (CO) ausgestoßen, die mehr als die Hälfte des von menschenverursachten Effekts ausmachen. Die Folgen dieser Entwicklung sind bereits heute spürbar und werden in Zukunft zunehmen. Schmelzende Gletscher, Anstieg des Meeresspiegels, Schädigungen der Ökosysteme und zunehmende Wetterextreme gehen mit der globalen Erwärmung einher und stellen ernsthafte Bedrohungen für Mensch und Natur dar. Infolge dessen ist der Klimawandel bereits heute ein entscheidender Grund für Flucht und Migration. Die Weltbank rechnet damit, dass durch die Folgen des Klimawandels, die Zahl der Flüchtlinge bis 2050 auf 140 Millionen Menschen ansteigen kann. Der Weltklimarat unterstreicht diese Prognose und rechnet bei einer Erderwärmung von höchstens zwei Grad Celsius mit 280 Millionen Flüchtlingen bis zum Jahr 2100. 13) Planet Wissen: Klima-Klimawandel; Stand 14.01.2020 14) ipcc: 1.5°C Globale Erwärmung; Bericht vom 08.10.2018 15) The World Bank: Climate Change Could Force Over 140 Million to Migrate within Countries by 2050: World Bank Report; Beitrag vom 19.03.2019 16) Landeszentrale für politische Bildung Baden-Würtenberg: Sachstandsberichte IPCC; Beitrag abgerufen am 14.01.2020

Allerdings wird durch die Debatte das Dilemma zwischen wirtschaftlichen Interessen und Klimaschutz deutlich. Mit der Absage des Projektes wäre es schwer gewesen, vergleichbare Kohleprojekte in der Zukunft zu billigen. Vor allen in Asien ist Siemens einer der größten Anbieter für Energietechnik, die zur Förderung von Kohle, Öl und Gas dienen. Aus dieser Bredouille ergeben sich weitere Fragen: Mit wem dürfen wir in Zukunft Geschäfte machen? Mit wem nicht? Darf deutsche Technik an ausländische Unternehmen verkauft werden, die mit ihrer Energiegewinnung das Klima schädigen? Es bedarf neuer Grenzen und Handlungsweisen, die die wirtschaftlichen Interessen in Einklang mit Klimaschutzzielen bringen und über eine symbolische Betrachtungsweise hinausgehen.
17) Frankfurter Allgemeine: Kaeser bietet Klima-Aktivistin Neubauer Posten im Aufsichtsrat an; Artikel vom 10.01.2020 18) Frankfurter Allgemeine: Siemens am Pranger; Artikel vom 13.01.2020

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Marco / earthlink

-Soziologie Student an der Universität Wuppertal. -Praktikant für zwei Monate. -Interesse an entwicklungspolitischen Themen.

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