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Klimakiller Palmöl – Die Kehrseite von Biokraftstoffen

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 Abholzung des Regenwaldes zugunsten von Palmölplantagen in Indonesien  |  Bild: © GLOBAL 2000 [CC BY-ND 2.0]  - flickr

Abholzung des Regenwaldes zugunsten von Palmölplantagen in Indonesien | Bild: © GLOBAL 2000 [CC BY-ND 2.0] - flickr

Klimakiller Palmöl – Die Kehrseite von Biokraftstoffen

Die Ölpalme, die ursprünglich aus Westafrika kommt und nur in heißen und feuchten Regionen der Erde gedeiht, ist mittlerweile durch erfolgreiche Züchtungen zur ertragreichsten Ölpflanze der Welt geworden. Das Palmöl oder auch Palmfett, das aus den Früchten der Pflanze gewonnen wird, gilt als das am meisten verwendete pflanzliche Öl in der Lebensmittelherstellung. 1) Bayern1: So können Sie Lebensmittel mit Palmöl meiden; Bericht vom 23.05.2019 Laut einer Studie des WWF befindet sich Palmöl mittlerweile in jedem zweiten Supermarktprodukt. 2) WWF: Palmöl; Artikel vom 31.07.2018 Zudem wurde es in den letzten Jahren vermehrt für Bio-Kraftstoffe verwendet, die für Fahrzeugmotoren eingesetzt werden.

Aufgrund der Voraussetzungen, die die Ölpalme zum Gedeihen braucht, wird sie überall in den Tropen entlang des Äquators angebaut – genau dort, wo sich der fürs Klima so wichtige Regenwald befindet. Mittlerweile erstreckt sich der Anbau der Pflanze weltweit auf über 19 Millionen Hektar und es werden weiterhin große Flächen Regenwaldes abgeholzt, um Platz für Palmölplantagen zu schaffen. Besonders drastisch ist die Situation in Malaysia und Indonesien, von wo 87 Prozent des Palmöls auf dem Weltmarkt stammen. 3) GEO: Palmöl statt Regenwald?; Artikel vom 25.10.2012   Weiterhin werden Ölpalmen fast ausschließlich in Monokulturen angebaut und ihr gewinnbringender Ertrag führt mittlerweile sogar dazu, dass nicht nur Regenwald für Palmölplantagen weichen muss, sondern auch andere Agrarprodukte wie Reis oder Gemüse verdrängt werden. 4) Aktionsbündnis Regenwald statt Palmöl: Palmöl und seine Verwendung; Artikel von 2019 Insgesamt sind circa zwei Drittel aller Ölpalmplantagen Großbetriebe, die lokalen, internationalen oder staatseigenen Investoren gehören. 5) Brot für die Welt: Der hohe Preis des Palmöls; Bericht vom Oktober 2014

Der Export von Palmöl nach Europa steigt derweil stetig an. Die Europäische Union ist sowohl für Malaysia als auch für Indonesien der zweitgrößte Abnehmer des Pflanzenfetts. 6) Germany Trade & Invest: Palmöl wichtiges Exportgut für Indonesien und Malaysia; Artikel vom 15.03.2019 Für die exportierenden Länder stellt Palmöl eine wichtige und profitable Einnahmequelle dar, wobei ihre hauptsächlich wirtschafts- und investitionsorientierte Politik zu einer immer weiteren Ausdehnung des Ölpalmenanbaus führt. Neben den Auswirkungen, die die Rodung von Regenwäldern und damit der Wegfall eines der größten CO2-Speicher auf das Weltklima hat, gerät die Palmölindustrie auch immer wieder in Konflikte mit der ländlichen Bevölkerung. 7) Brot für die Welt: Der hohe Preis des Palmöls; Bericht vom Oktober 2014 Besonders in Indonesien treten die sozialen Probleme, die durch den Anbau von Ölpalmen entstehen, deutlich hervor. So werden hier vom Staat die Eigentums- und Nutzungsrechte vieler Landflächen einfach freigegeben, ohne dabei das traditionelle Gewohnheitsrecht der lokalen indigenen Bevölkerung zu achten. Daher kommt es häufig zu Konflikten und zur Vertreibung  der Landbevölkerung zugunsten der Entstehung von Palmölplantagen für  Investoren aus dem Ausland. 8) Oro Verde: Palmölplantagen und das Klima; zuletzt aufgerufen am 16.10.2019  Und obwohl stets damit geworben wurde, dass die Schaffung der Plantagen Arbeitsplätze für die von ihrem Land vertriebene Bevölkerung bedeute, kommt der Palmölboom bei den Menschen in Indonesien nicht an.

Zudem wird immer wieder von systematischen Menschenrechtsverletzungen und Kinderarbeit auf den Plantagen berichtet. 9) Amnesty International: Globale Konzerne profitieren von Kinderarbeit auf Palmöl-Plantagen; Artikel vom 29.11.2016 Unter menschenunwürdigen Bedingungen müssen die ArbeiterInnen schwere und gefährliche Tätigkeiten ausführen, für die sie nur einen Hungerlohn erhalten und bei denen sie gesundheitsgefährdenden Unkrautvernichtungsmitteln ausgesetzt sind. Die staatlich geförderte Ausdehnung von Anbauflächen für Palmöl sowie die damit verbundene Abholzung von Regenwäldern vernichten die Lebensgrundlage indigener Völker, die zuvor in diesen Wäldern und von deren nachhaltiger Nutzung gelebt haben. Mit dem Verschwinden des Regenwaldes geht einher, dass diese Menschen keinen Ort mehr haben, an dem sie sicher leben und sich ernähren können. Weigern sie sich, von ihrem Land wegzugehen, kommt es häufig zu gewaltsamen Übergriffen gegen sie, die durch staatliche Seite vom Militär unterstützt werden. Die Menschen, die auf künftigem Plantagenland leben, haben also keinerlei Chance, sich gegen ihre oftmals brutale Vertreibung zu wehren. 10) Gesellschaft für bedrohte Völker: Palmöl ist keine Alternative; Report vom August 2017

Seit die Europäische Union im Jahre 2009 das Mindestziel von 10 Prozent erneuerbarer Energie als Anteil am Kraftstoffmarkt in allen Mitgliedsstaaten gesetzt hat, ist die Nachfrage nach Palmöl weiter angestiegen. Es spielt eine wichtige Rolle in der Zusammensetzung sogenannter „Bio-Kraftstoffe“, die vor allem für Fahrzeugmotoren verwendet werden und angeblich besser für die Umwelt sein sollen als herkömmliche Kraftstoffe. Bezieht man jedoch die gesamte Wertschöpfungskette mit ein, so stellt man schnell fest, dass Biodiesel aus Palm-, Raps- oder Sojaöl sogar noch schädlicher für das Klima ist als Erdöl. 11) Abenteuer Regenwald: Biodiesel und E10 – Was macht denn Regenwald im Autotank?; zuletzt aufgerufen am 16.10.2019  So müssen Regenwälder und landwirtschaftliche Nutzungsflächen für den Anbau dieser „nachwachsenden Rohstoffe“ weichen, wodurch wichtige Äcker für den Nahrungsmittelanbau verloren gehen und Menschen aus ihrer Heimat vertrieben werden. Es besteht also ein Zusammenhang zwischen unserer Nachfrage nach billigem Pflanzenfett – sei es in Lebensmitteln oder für Kraftstoffe – und dem Rückgang des Regenwaldes rund um den Äquator, der für die dort lebenden Menschen den Verlust ihrer Lebensgrundlage bedeutet und zudem dramatische Auswirkungen auf das Klima hat.

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Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Rebecca Kroschwald

Ich bin Rebecca, 24 Jahre alt und Studentin der Politikwissenschaften und Soziologie. Aktuell mache ich ein zehnwöchiges Praktikum bei earthlink und freue mich, Einblicke in die Arbeit einer Non-Profi-Organisation zu erhalten.

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