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Oxfam-Studie zu Nachhaltigkeit: Miserable Bilanz für Edeka, Rewe, Lidl und Aldi

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Konsum im Supermarkt Deutsche Supermarktketten achten viel zu wenig auf Ausbeutung entlang ihrer Lieferketten |  Bild: © Grafner - Dreamstime.com

Deutsche Supermarktketten achten viel zu wenig auf Ausbeutung entlang ihrer Lieferketten | Bild: © Grafner - Dreamstime.com

Oxfam-Studie zu Nachhaltigkeit: Miserable Bilanz für Edeka, Rewe, Lidl und Aldi

Eine neue Studie von Oxfam zeigt, wie wenig die großen deutschen Supermarktketten auf Menschenrechte achten. Am schlechtesten schnitt Marktführer Edeka ab. Ausbeutung von Arbeitskräften und Gewalt gegen Frauen interessiert den Lebensmittelgiganten überhaupt nicht – die Konkurrenten kaum mehr. Dabei ist es nicht verwunderlich, dass Edeka, Rewe, Lidl und Aldi wichtige Großkunden des kürzlich zum „schlimmsten Unternehmen der Welt“ gekürten Zulieferkonzerns Cargill sind. 1) Oxfam Deutschland: Supermarkt-Check 2019; Studie vom Juni 2019 2) Business Insider: McDonald’s, Aldi, Edeka und Co. werden vom „schlimmsten Unternehmen der Welt“ beliefert — und können ihm nicht entkommen; Artikel vom 15.07.2019

Oxfam veröffentlichte im Juni 2019 zum zweiten Mal den „Supermarkt-Check“, der jeweils die vier größten Supermarktketten in Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien und den USA auf ihren Umgang mit Menschenrechten untersucht. Edeka (dazu gehört auch Netto), die Schwarz-Gruppe (Lidl und Kaufland), Rewe (dazu gehört auch Penny) und Aldi sind in Deutschland mit 85 Prozent Marktanteil entscheidend im Lebensmitteleinzelhandel mit allen Folgen und Auswirkungen entlang der Lieferkette. Die Grundlage für die fast 100 Bewertungskriterien stellen die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte. Diese wurden in die vier Kategorien Transparenz und Unternehmensführung, Rechte von Arbeitskräften in der Lieferkette, Umgang und Handelsbeziehungen mit Kleinbauern sowie Geschlechtergerechtigkeit und Frauenrechte gebündelt. Dabei erzielte Aldi Süd das beste Gesamtergebnis mit 19 Prozent, was jedoch in Schulnoten ausgedrückt mit „mangelhaft“ immer noch schlecht ist. Alle anderen wären mit „ungenügend“ durchgefallen – Rewe mit 13, Lidl mit neun, Aldi Nord mit fünf und Edeka sogar nur mit einem Prozent. 3) Oxfam Deutschland: Supermärkte im Check – Weiter schlechte Noten für deutsche Supermarkt-Ketten; Artikel vom 03.07.2019 4) Oxfam Deutschland: Supermarkt-Check 2019; Studie vom Juni 2019 5) Lebensmittelzeitung: Ranking – Top 30 Lebensmittelhandel Deutschland 2018; Artikel vom 15.03.2018

Bei den Frauenrechten sieht es am schlimmsten aus: Außer Aldi Süd in sehr geringen Maßen, setzt sich mit null Prozent kein Konzern gegen Gewalt an Frauen oder ihre wirtschaftliche Selbstbestimmung ein. Aldi Süd schnitt vermutlich auch deshalb besser ab, weil der Konzern Filialen in Großbritannien betreibt und ihn dort der „UK Modern Slavery Act“ zur Offenlegung seines Umgangs mit Formen moderner Sklaverei verpflichtet. Allerdings war es auch Aldi Süd, der in Folge von Lidls Ankündigung, nur noch Fair-Trade-Bananen zu verkaufen, seine Bananen noch billiger anbot. Der große Druck und die mangelnde Nachfrage veranlasste Lidl schließlich zum Rückzieher seiner Selbstverpflichtung. Da sich der Preisdruck von Aldi ausschließlich auf die letzten Glieder der Handelskette auswirkt, verfassten Bananenbauern und Plantagenbetreiber aus Ecuador und Kolumbien einen offenen Beschwerdebrief und kündigten Proteste an. Sie müssen so schließlich noch länger arbeiten und werden noch schlechter bezahlt. Mindestlohn gibt es ohnehin fast nie. Am härtesten trifft die Billigpolitik Kleinbauern, die nicht mit den großen Plantagen mithalten können und immer öfter ihr Land verkaufen und verlassen müssen. 6) Oxfam Deutschland: Supermarkt-Check 2019; Studie vom Juni 2019 7) Merkur: Aldi will Preise für beliebtes Produkt senken – und stößt auf enormen Widerstand; Artikel vom 25.07.2019 8) Spiegel Online: Lidl lobt sich – Umgang mit Plantagenarbeitern von Supermärkten; Artikel vom 06.07.2019

Trotz einiger Verbesserungen im Vergleich zum ersten „Supermarkt-Check“ 2018 sind Menschenrechte in der Geschäftspolitik der Discounter nur eine Randnotiz. Rewe, Lidl und Aldi erklären, dass sie die Kritik von Oxfam ernst nehmen und sich weiterhin bessern wollen – nicht so Edeka. Der Konzern mit dem deutlich größten Marktanteil und Schlusslicht der untersuchten Supermärkte – sogar im internationalen Vergleich – wies die Vorwürfe vollständig zurück. Ihr gesamtes Sortiment sei „unter sozial und ökologisch vertretbaren Bedingungen hergestellt“ – kein Grund also für Veränderungen. 9) Märkische Allgemeine: So beuten Aldi, Lidl und Edeka Arbeiter und Bauern aus; Artikel vom 03.07.2019

Dabei zeigen unter anderem Studien des gemeinnützigen Vereins Christliche Initiative Romero katastrophale Bedingungen in Edekas Lieferketten auf. Beispielsweise werden auf Orangensaftplantagen in Brasilien Arbeiter ohne Schutzkleidung permanent giftigen Pestiziden und Tieren ausgesetzt. Täglich werden in Brasilien acht Vergiftungen gemeldet, die tatsächliche Zahl könnte aber bis zu 50 Mal höher sein. Bei körperlicher Schwerstarbeit sieben Tage die Woche leben die meisten Arbeiter und Arbeiterinnen direkt neben der Farm in erbärmlichen Behausungen mit prekären hygienischen Zuständen. Durch die vorher nicht bekannte Vermittlungsgebühr sind sie von Anfang an verschuldet – durch die niedrigen Löhne unter dem Existenzminimum bleiben sie das auch und können nicht einmal wieder in ihre Heimat zurückkehren. Ein typischer Fall moderner Sklaverei. Da allein ein Drittel der Produktionskosten für Pestizide beansprucht wird, fallen den Firmen ständig neue Tricks ein, die Löhne der Orangenpflücker zu senken. Bezahlt wird nach Gewicht – dabei sind die Waagen falsch geeicht. Erst bei 100 Kisten pro Tag wird der existenzsichernde Akkordzuschlag gezahlt – außer man ist krank oder verhindert. Soziale oder gewerkschaftliche Absicherungen gibt es kaum, nicht einmal bei Berufserkrankungen wie Pestizid-Vergiftungen. 10) Christliche Initiative Romero: Ausgepresst – Hinter den Kulissen der Saftindustrie; Studie vom April 2018 11) Spiegel Online: Produktion von Orangensaft – Niedrigpreise in Deutschland, Ausbeutung in Brasilien; Artikel vom 08.10.2013

Edeka und Aldi zählen zu den größten Kunden von Cargill, dem „schlimmsten Unternehmen der Welt“. Diesen Titel verlieh die Nicht-Regierungs-Organisation Mighty Earth vor Kurzem dem US-amerikanischen Zulieferkonzern. Cargill ist das weltweit größte Agrobusiness Unternehmen und kontrolliert weite Bereiche in der globalen Landwirtschaft. Mighty Earth hat nun eine lange Liste an Hygieneskandalen, Kinder- und Zwangsarbeit, Vertreibung Indigener, Gewalt und Diskriminierung sowie massiver Umweltverschmutzung und Lebensraumzerstörung erstellt. So finanziert Cargill Regenwaldrodungen für Sojaanbau, pflanzt Kakaoplantagen in Nationalparks und lässt dort verschleppte Kinder bis zu 14 Stunden täglich arbeiten. In Kolumbien eignete sich der Konzern illegal mehr als 52.000 Hektar Land an. Auch in Südostasien kam Cargill durch Landraub, Gewalt an Einheimischen und Regenwaldrodungen in Besitz von Palmölplantagen. Durch mehrmalige illegale Giftmüllablagerungen in verschiedenen Flüssen starben hunderttausende Fische. Als wichtiger Fleischlieferant unter anderem für MacDonalds, kam es viele Male zu E. Coli oder Salmonellen Ausbrüchen, wodurch die Firma große Mengen Fleisch zurücknehmen musste. Trotzdem kam es immer wieder zu Hygieneskandalen. Die vielen negativen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt scheinen das Unternehmen überhaupt nicht zu interessieren. Ebenso wenig wie der Bericht von Mighty Earth. Dabei hat die Firma „vielleicht mehr Macht, das Klima, das Wasser, die Lebensmittelsicherheit, die öffentliche Gesundheit und die Menschenrechte zu schützen, als jedes andere Unternehmen in der Geschichte“. 12) Mighty Earth: Cargill – the worst company in the world; Studie vom Juli 2019 13) Spiegel Online: Kritischer Bericht über Agrarkonzern Cargill – „Das schlimmste Unternehmen der Welt“; Artikel vom 11.07.2019 14) Business Insider: McDonald’s, Aldi, Edeka und Co. werden vom „schlimmsten Unternehmen der Welt“ beliefert — und können ihm nicht entkommen; Artikel vom 15.07.2019

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Nach meinem Bachelorabschluss in Ethnologie und einer Reise durch verschiedene Länder Mittelamerikas verbringe ich nun 10 Wochen bei earthlink. Hier möchte ich einen Beitrag zu ihrer entwicklungspolitischen Arbeit leisten und ein Berufsfeld und eine Masterausrichtung ausprobieren, die ich mir gut vorstellen kann.

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