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Afrika: Die Folgen der Kolonialzeit sind heute immer noch zu spüren

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  Bild: © Gabriel [CC BY 2.0]  - flickr

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Afrika: Die Folgen der Kolonialzeit sind heute immer noch zu spüren

Der vorwiegend in der Mitte des 19. Jahrhunderts beginnende europäische Kolonialismus in Afrika leitete auf dem Kontinent einen grundlegenden Strukturwandel ein, der bis heute spürbar ist und negative Konsequenzen mit sich bringt. Armut, Perspektivlosigkeit, Gewalt und eine schlechte wirtschaftliche Lage treiben zahlreiche Menschen in die Flucht aus ihren Heimatländern. Die Ursachen hierfür sind teilweise auch in der kolonialistischen Vergangenheit dieser Länder zu finden. So sorgte beispielsweise die Aufteilung des afrikanischen Kontinents unter den Kolonialmächten auf der Kongokonferenz 1884/85 in Berlin dafür, dass zahlreiche innerafrikanische Konflikte immer wieder ausbrechen, die bis heute in vielen Ländern für eine unsichere Lebensgrundlage verantwortlich sind. 1) DW: Als in Berlin Afrikas Schicksal beschlossen wurde; Artikel vom 26.02.2015  Was nach außen hin als Regelung der Handelsfreiheit bezeichnet wurde, diente letztendlich der Beschlagnahme des gesamten Kontinents. So bildete die Kongoakte, das Abschlussdokument des Kongresses, die Grundlage für die Aufteilung Afrikas in Kolonien. In der Folge wurde bei willkürlichen Grenzziehungen keinerlei Rücksicht auf bereits bestehende politische, soziale und wirtschaftliche Strukturen genommen. Siedlungsgebiete wurden zertrennt, ethnische Gruppen auseinandergerissen und den jeweiligen Kolonien wahllos zugeordnet. 1902 hatten die Kolonialmächte bereits 90 Prozent des afrikanischen Kontinents untereinander aufgeteilt. 2) Telepolis: Die Aufteilung des „schwarzen Kontinents“; Artikel vom 26.02.2010 Geleitet von ihren politischen und wirtschaftlichen Interessen beuteten sie die Kolonien und deren Bevölkerung gnadenlos aus. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann schließlich der langwierige Prozess der afrikanischen Unabhängigkeit. 1960, im sogenannten „afrikanischen Jahr“, erlangten 17 Staaten die Freiheit von ihren Kolonialherren. Darunter waren Kamerun, Gabun und die Zentralafrikanische Republik. 3) Heinrich Böll Stiftung: Afrika: 50 Jahre Unabhängigkeit; Artikel vom 27.04.2010  1990 erhielt schließlich Namibia als letztes afrikanisches Land seine Unabhängigkeit. 4) Gemeinsam für Afrika: Von U wie Unabhängigkeit bis V wie Viehhaltung; zuletzt aufgerufen am 21.08.2019 Jedoch ist bis zum heutigen Tag zu beobachten, dass viele postkoloniale afrikanische Staaten mit dem Erbe der Kolonialzeit zu kämpfen haben und seit ihrer Unabhängigkeit immer wieder in wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Krisen geraten. Die Entstehung von korrupten Regimes, Diktaturen und das Ausbrechen von Bürgerkriegen nach der Unabhängigkeit von den Kolonialherren sind keine Seltenheit. Ethnische Konflikte und Bürgerkriege sind hier die Folgen der angesprochenen Grenzziehungen während der Kolonialzeit, aufgrund derer verschiedenste ethnische Gruppen im selben Staat leben und es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen ihnen kommt. Auch die in der Zeit der Besetzung etablierten Wirtschaftsstrukturen stellen sich hier als besonders problematisch heraus. So werden in vielen ehemaligen Kolonien weiterhin Rohstoffe für den Export an die ehemaligen Kolonialherren abgebaut und Fertigwaren von dort importiert. 5) N-TV: Afrika und der „Ressourcenfluch“; Artikel vom 16.08.2010 Auf dem Papier erhielten viele Staaten zwar ihre Unabhängigkeit, aber sie werden weiterhin zur Kooperation mit den „Mutterländern“ vertraglich verpflichtet. 6) Zeit Online: In Frankreichs Armen; Artikel vom 28.01.2010 So sicherten sich die ehemaligen Kolonialmächte durch Handelsverträge mit den als unabhängig erklärten Staaten das exklusive Kaufrecht an wichtigen Ressourcen wie Erdöl, Gas aber auch Uran und Lithium. Die Preise, die sie dabei für diese strategisch wichtigen Rohstoffe bezahlen müssen, liegen weit unter denen des Weltmarkts. 7) Deutschlandfunk: Frankreich und der unsichtbare Kolonialismus; zuletzt geöffnet am 21.08.2019 Die Auswirkungen, die solche Handelsverträge auf die betroffenen afrikanischen Länder haben, liegen auf der Hand und die Europäische Union wird immer wieder beschuldigt, mit ihren Verträgen Bäuer*innen in afrikanischen Ländern zu schaden. Denn mit den billigen Agrarexporten können die einheimischen Produkte oftmals nicht mithalten. Zusätzlich sorgen hohe Einführzölle in die EU dafür, dass Handelsbarrieren für verarbeitete Güter aus Afrika bestehen. 8) Brot für die Welt: Keine EU Zölle für Afrikas Exporte: Ein Schwindel?; Artikel vom 29.08.2018

Bild: © Gabriel CC BY 2.0flickr

Für unverarbeitete Rohstoffe wie Kakao oder Kaffeebohnen gibt es hingegen meist keine Einfuhrzölle, die sich nämlich vor allem auf verarbeitete Produkte wie Schokolade beziehen. So bleibt es oftmals beim Export von Rohstoffen in die EU, die im Gegenzug allerdings ihre eigenen Produkte günstig auf den afrikanischen Kontinent exportieren kann. Besonders für die Wirtschaft und die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen wäre es aber wichtig, auch vor Ort in den jeweiligen Ländern Rohstoffe verarbeiten und für den Export produzieren zu können. Für die einheimische Wirtschaft bedeuten solche Verträge ein massives Hemmnis, denn die Produktion und Verarbeitung von Gütern wird so enorm erschwert. Weiterhin sind viele ehemalige französische Kolonien durch eine Währung immer noch an Frankreich gebunden. Der sogenannte Franc CFA, der in 14 afrikanischen Staaten verwendet wird, war zunächst unmittelbar an den französischen Franc und nun an den Euro gebunden. Eine Anpassung der Währung an die jeweiligen afrikanischen Volkswirtschaften ist somit nicht möglich, weshalb der Franc CFA viel zu stark für diese Länder ist und ihre wirtschaftliche Entwicklung einschränkt. Des Weiteren sind die ehemaligen Kolonien gezwungen, 65 Prozent ihrer staatlichen Devisen, über die sie keine Verfügungsgewalt besitzen, beim französischen Finanzministerium zu deponieren. Weitere 20 Prozent müssen als Sicherheit für ihre Verbindlichkeiten eingelagert werden. Die Staaten besitzen also nur eine de facto-Gewalt über 15 Prozent ihrer Devisen. 9) The Herald: How France loots its former colonies; Artikel vom 14.07.2014

Franc CFA Banknoten Bild: © jbdodane CC BY-NC 2.0flickr

Und so bestehen auch heute noch, wenn auch etwas subtiler, Abhängigkeiten und Asymmetrien zwischen ehemaligen Kolonien und Kolonialmächten. Eine schlechte wirtschaftliche und politische Lage, blutige Konflikte sowie wenig Aussichten auf Arbeitsplätze stellen auch weiterhin für viele Menschen einen Fluchtgrund dar. Die Perspektivlosigkeit in ihren Heimatländern verleitet vor allem junge Leute zur lebensgefährlichen Flucht nach Europa. 10) Deutschlandfunk: Gambia – Flucht vor Armut und Arbeitslosigkeit; zuletzt geöffnet am 21.08.2019  Gerade das Wegbrechen der jüngeren Generationen führt in der Folge zu noch schlechteren Aussichten für die lokale Wirtschaft. Derzeit liegt Afrikas Anteil am Welthandel bei unter fünf Prozent – ein deutliches Zeichen dafür, dass die Aufnahme von Handelsverträgen sowie der Beitritt der meisten afrikanischen Staaten zur WTO dem Kontinent kaum wirtschaftlichen Fortschritt gebracht haben. 11) EPA-Konferenz: Die Chance ergreifen: EU-Afrika-Handelsbeziehungen neu gestalten; Dokument vom 07.06.2017  Weiterhin exportiert Afrika vor allem unverarbeitete Rohstoffe und Mineralien, wodurch kaum Arbeitsplätze vor Ort geschaffen werden können. Der Europäischen Union wird derweil vorgeworfen, sie verfolge mit ihren Verträgen offensive Handelsinteressen für den zollfreien Export ihrer Waren. So sprach der ugandische Wirtschaftswissenschaftler Yash Tandon im Bezug auf Freihandel von einer „Re-Kolonialisierung des afrikanischen Kontinents.“ 12) EPA-Konferenz: Die Chance ergreifen: EU-Afrika-Handelsbeziehungen neu gestalten; Dokument vom 07.06.2017 Es braucht daher neue Ansätze, die auf eine fairere Gestaltung des Welthandels hinarbeiten. Das Ideal eines freien und gerechten Austausches muss auch für den afrikanischen Kontinent gelten, wenn den Menschen hier Zukunftsperspektiven geboten werden sollen. Eine Förderung der verarbeitenden Industrien wäre ein erster wichtiger Schritt, damit afrikanische Länder auf dem Weltmarkt mithalten könnten.

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Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Rebecca Kroschwald

Ich bin Rebecca, 24 Jahre alt und Studentin der Politikwissenschaften und Soziologie. Aktuell mache ich ein zehnwöchiges Praktikum bei earthlink und freue mich, Einblicke in die Arbeit einer Non-Profi-Organisation zu erhalten.

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