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NATO-Kriege: Wie die Langzeitwirkung von Munition aus abgereichertem Uran Menschen krank macht

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Natürliches Uran Natürliches Uran |  Bild: © Nuclear Regulatory Commission [CC BY 2.0]  - Wikimedia Commons

Natürliches Uran | Bild: © Nuclear Regulatory Commission [CC BY 2.0] - Wikimedia Commons

NATO-Kriege: Wie die Langzeitwirkung von Munition aus abgereichertem Uran Menschen krank macht

Wenn es um Uran geht, denken viele Menschen an Atomkraftwerke oder Atombomben. Tief haben sich die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki ins kollektive Gedächtnis eingeprägt. Doch seit den 90er Jahren – also rund 45 Jahre nach den verheerenden nuklearen Angriffen auf Japan – werden insbesondere in NATO-Kriegen Waffen eingesetzt, deren Entwicklung mit der Atomtechnologie in Zusammenhang steht und die eine unheimlich destruktive Wirkung haben. Die Rede ist von „Depleted Uranium“ – kurz DU. Oder auf Deutsch: Abgereichertes Uran. 1) Wikipedia: Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki; Stand: 21.5.2019 2) Welt: Nach dem Krieg bleibt der giftige Staub; Artikel vom 5.2.2018 3) NuoViso: Deadly Dust – Frieder F. Wagner bei SteinZeit; Video vom 10.8.2018

Gürtel von Munition aus abgereichertem Uran

Gürtel von Munition aus abgereichertem Uran © Deming 9120 [Royalty Free] – Dreamstime

Wahrscheinlich jeder von uns hat schon einmal davon gehört. Doch was genau ist DU eigentlich? Frieder Wagner, Investigativer Filmemacher und Buchautor von „Tödliches Gift – Made in USA: Uranmunition verseucht die Welt“ (veröffentlicht: 27. Februar 2019) hat sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. „Abgereichertes Uran entsteht, wenn man für Atomreaktoren Uran aufbereitet, d.h. man muss es so aufbereiten, dass es den Reaktor antreiben kann. Bei diesem Prozess (…) entsteht ein riesiger Abfall – fast 90 Prozent ist Abfall –, was man eben nicht verwenden kann, weil man dort eben das Uran, das man verwenden kann und das man für den Reaktorgebrauch aufladen kann, herausnimmt. Und es bleibt übrig: dieses sogenannte abgereicherte Uran“, so Wagners Erklärung. Das charakteristische an diesem „Abfallprodukt“ ist, dass es sehr schwer ist – fast doppelt so schwer wie Blei, das schon die Türken bei der Belagerung von Wien verwendet haben. Wenn man nun aus diesem abgereicherten Uran einen spitzen Stab formt und ihn als Munition beschleunigt, dann „geht er durch einen Panzer oder einen Bunker hindurch wie ein heißes Messer durch Butter“. Gleichzeitig mit dem Durchdringen des Panzers entsteht ein Abrieb, der sich dann bei einer Reibungshitze von 3000 bis 5000 Grad Celsius explosionsartig entzündet. Das heißt: Man braucht keinen zusätzlichen Sprengstoff und hat zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Zudem ist DU ein sehr billiges Material, weil die Betreiber der Atomkraftwerke froh sind, wenn ihnen jemand dieses „Abfallprodukt“ abnimmt. Und so entsteht also ein tödliches Win-win-Geschäft zwischen Atom- und Waffenlobby – auf Kosten von Abertausenden Kriegsopfern. Doch davon wird noch zu sprechen sein. Im Übrigen beteiligt sich die Bundeswehr erfreulicherweise nicht an diesem Business – die deutschen Einheiten setzen auf Wolfram, dessen „Nachteil“ ist, dass er weicher ist, so dass das Geschoss im Panzer stecken bleibt und nicht die durchdringende Wirkung der Uranmunition hat. 4) NuoViso: Deadly Dust – Frieder F. Wagner bei SteinZeit; Video vom 10.8.2018

Doch was macht diese Waffe eigentlich so gefährlich und destruktiv? Es ist nicht nur ihre unmittelbare Wirkung – die schlimm und verheerend genug ist. Es ist auch ihre mittelbare Wirkung. Dadurch dass das hochgiftige, radioaktive Material durch die große Reibungshitze beim Aufprall zu Nanopartikeln verbrennt, die als „Metallgas“ in die Luft gehen, gelangen diese Partikel über die Luft oder „bestäubte“ Lebensmittel in den Körper der Zivilbevölkerung. Aufgrund der Winzigkeit der Teilchen kann der Körper diese nicht mehr ausscheiden. Bei Schwangeren durchdringen sie sogar die Mutter-Kind-Schranke. Es ist tatsächlich die Hölle auf Erden. Viele Betroffene leiden infolge der vom Uran ausgestrahlten sogenannten Alphastrahlung an einem immens geschwächten Immunsystem oder bekommen Krebs oder Leukämie. Und die Kinder der Betroffenen werden oftmals als „Missgeburten“ geboren.

„Zehn Jahre nach dem Irakkrieg werden immer mehr missgebildete Kinder beerdigt. Das macht selbst Totengräber sprachlos. ‚Manchmal beerdigen wir Kinder mit vier Händen oder mit dreien. Manchmal haben die Körper zwei Köpfe. Es gibt jede Art von Missbildung, die man sich vorstellen kann. Manchmal ist der Kopf völlig deformiert und die Augen liegen nicht vorn, sondern oben‘“,

berichtet Thomas Aders von der ARD Kairo in einer Reportage über die Spätfolgen des Krieges. Im letzten Irakkrieg verschossen die Alliierten Hunderte von Tonnen der panzerbrechenden Munition. Um Basra, im Süden des Landes, beträgt die Strahlenbelastung nach Messungen unabhängiger Experten das 20-fache des Normalwertes. Tragischerweise erkranken oftmals Kinder, die auf den zurückgebliebenen irakischen Panzerwracks spielen. Ähnliche Bilder gibt es aus Nadschaf, Nasiriya, Masar-e Sharif oder aus Afghanistan. Eine tödliche Langzeitwirkung mit Hundertausenden von Betroffenen sowie der Verschmutzung von Boden, Wasser und Luft macht sich breit. Die Halbwertszeit von abgereichertem Uran beträgt 4,5 Milliarden Jahre, so dass noch viele Generationen über Jahrhunderte unter den Folgen dieser Kriege zu leiden haben werden, weil sich ihr genetischer Code verändert hat. 5) NuoViso: Deadly Dust – Frieder F. Wagner bei SteinZeit; Video vom 10.8.2018 6) Netzfrauen: Uranmunition: Das strahlende Vermächtnis der Kriege; Artikel vom 12.11.2014 7) Infosperber: Uranmunition: Der verschwiegene Millionenmord muss ans Licht; Artikel vom 9.3.2019

In welchen Ländern wurde diese Uranmunition bereits verwendet? Tatsächlich ist von allen NATO-Kriegen seit den 90er Jahren die Rede, d.h. im ersten Irakkrieg 1991, in Serbien und im Kosovo 1999, in Afghanistan 2001, im Irakkrieg 2003, im Libyenkrieg 2011, im Syrienkrieg 2015 sowie immer noch bei Drohnenangriffen in Somalia. Angesichts der komplett zerstörten Häuser in Gaza ist Wagners Befürchtung, dass auch dort diese Waffe zum Einsatz kommt. Während im Jahr 1999 in Serbien und im Kosovo noch rund 2000 Menschen an Krebs gestorben sind, beträgt die Quote mittlerweile 22.000 Menschen jährlich.

Welche Länder setzen DU als Waffe ein? Hier sind allen voran die USA zu nennen, die ja auch aus guten Gründen den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag nicht anerkennen. Nach dem Motto „Wo kein Kläger, da kein Richter“, entziehen sie sich der Konsequenzen für ihr völkerrechtlich illegales Handeln. Daneben zählen auch Großbritannien, Frankreich und Israel zu den Hauptanwendern von DU. 8) NuoViso: Deadly Dust – Frieder F. Wagner bei SteinZeit; Video vom 10.8.2018

Während die Bundesrepublik Deutschland in der UNO die Jahre zuvor hinsichtlich der Frage, ob DU in Kriegen eingesetzt werden dürfe, immer dagegen stimmte, enthielt sie sich 2014 erstmals der Stimme und beging somit den sprichwörtlichen Kotau vor den USA. Bei all der Grausamkeit sollte man aber nicht außer Acht lassen, dass die Mehrheit der Menschen abgereichertes Uran gerne von den Schlachtfeldern verbannen würde. Dies wurde beispielsweise am 2. Dezember 2008 deutlich, als auf der Agenda der Vollversammlung der Vereinten Nationen auch ein Antrag auf Ächtung von Uranmunition stand. Das Ergebnis war beeindruckend: 141 Nationen forderten, gestützt auf die internationale Rechtslage, die Herstellung, Verbreitung und Anwendung von Uranmunition und Uranwaffen künftig zu verbieten. Weniger überraschend war dagegen, dass die Atommächte USA, Großbritannien, Frankreich und Israel den Antrag ablehnten, während sich Russland der Stimme enthielt und China der Abstimmung fernblieb. Der US-amerikanische Physiker und Experte für chemische und biologische Kampfstoffe Doug Rokke wirkte selbst an der Entwicklung von Uranmunition mit. Nachdem ihm die destruktiven Wirkungen dieser Waffe klar wurden, vollzog sich in ihm ein Bewusstseinswandel, so dass er heute als massiver Gegner von DU in aller Welt Vorträge hält. Es ist sicher nichts hinzuzufügen, wenn er sagt: „Uranmunition ist ein Verbrechen gegen die Menschheit“ und: „Wir führen einen Krieg gegen uns selbst“. 9) Attac: Eine Frage der Ächtung; Artikel vom 7./8.2.2009

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Fußnoten und Quellen:   [ + ]

daniel / earthlink

Projektmitarbeiter, Sozialwissenschaftler und Friedens- und Konfliktforscher; Interessensschwerpunkte: Geostrategie, Internationale Beziehungen, Wirtschafts- und Finanzsystem; Aktuelle Projekte: Radiosendung in Kooperation mit unserem Partner Radio LORA; Kampagnen: Fluchtgrund, Drogen Macht Welt Schmerz, Aktiv gegen Kinderarbeit

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