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Krieg gegen ISIS – Das Erbe der jesidischen Frauen und Kinder

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Kinder die geflohen sind vom Süden von Irak. UNHCR versucht geflüchteten Kindern in Irak zu helfen. |  Bild: © United Nations Photo [CC BY-NC-ND 2.0]  - Flickr

UNHCR versucht geflüchteten Kindern in Irak zu helfen. | Bild: © United Nations Photo [CC BY-NC-ND 2.0] - Flickr

Krieg gegen ISIS – Das Erbe der jesidischen Frauen und Kinder

Am 10. Dezember 2017 verkündete der Premierminister des Irak, Haider al-Abadi, dass das Land von der Terrorgruppe Daesh, auch unter dem Namen ISIS bekannt, befreit ist, und dieser Tag fortan als nationaler Feiertag festgehalten wird. Der Kampf der US-irakischen Koalition gegen die Terrormiliz dauert bereits 3 Jahre, seitdem ISIS ein Drittel des Landes besetzt hat. Obwohl dieses Ziel erreicht worden ist, sind die Auswirkungen für das Land und dessen Bevölkerung katastrophal. Fast 5 Millionen Menschen mussten fliehen, wobei 3 Millionen noch in Flüchtlingslagern wohnen und 60 Prozent immer noch nicht in ihre Heimat zurückkehren konnten. Der Krieg hat 40.000 Menschenleben gekostet, in Städten wie Bagdad, Saladin und Anbar. Mosul, die zweitgrößte Stadt des Irak, wurde am stärksten getroffen. Der Flughafen, Bildungseinrichtungen, Verkehrsverbindungen und Krankenhäuser wurden zum größten Teil vernichtet. 1)Anadolu Agency: Iraq still suffers from terrorism despite Daesh victory; 10.12.2018

Vor kurzem wurden in Bagdad über 202 Massengräber gefunden, die über 12.000 Leichen beherbergen. Das größte Massengrab mit 6.000 Gebeinen soll in Khasfa Sinkhole, in der Nähe von Mosul, zu finden sein. Die UNO vermutet, dass durch ISIS in den letzten Jahren 30.000 Zivilisten ums Leben gekommen sind und das ist nur das Minimum. Die Regierung konnte sich von den 202 Gräbern bisher um nur 28 kümmern, und 1.258 Überreste ausgraben, weil ihr die Ressourcen fehlen. Sie ruft die internationale Gemeinschaft auf zu helfen. Die meisten befinden sich im Norden und Westen des Irak, wo ISIS sein Kalifat etablierte: Al-Anbar, Kirkuk, Saladin und Ninive. Die Terroristen hatten ethnische Minderheiten wie Christen und Jesiden unterdrückt und gefoltert. Vor 2014 glaubte man, dass noch 700.000 Jesiden lebten. Sie haben bis jetzt 74 unterschiedliche Genozide erlebt. Die Jesiden sprechen eine Sprache, die dem Kurdischen ähnlich ist. Über dieses Volk ist bisher wenig bekannt. Als ISIS an die Macht kam, sind 15 Prozent von ihnen nach Westen geflohen. Fast die Hälfte lebt immer noch in Flüchtlingslagern. 2)The New York Times: A ‘Legacy of Terror’: ISIS Left More Than 200 Mass Graves in Iraq; 06.11.2018 3)The Daily Star: Displaced children at risk in Iraq; 11.12.2018

ISIS hatte Dörfer in Sinjar angegriffen (Norden), wo ca. 500.000 Mitglieder der ethnischen Minderheit lebten. 70 Prozent von der Stadt wurden zerstört. Die ethnische Minderheit flüchtete ins Sinjar Gebirge, wo viele von ihnen an Hunger litten und zunehmends verelendeten. Obwohl die Stadt 2015 von der Regierung befreit wurde, gibt es keine Änderung des Zustands. Es gibt keine Krankenhäuser sowie Elektrizität und Wasser. Die Menschen warten noch immer vergebens darauf, dass die Regierung mit den Sanierungsarbeiten beginnt. 4)Norwegian Refugee Council: Peace Prize 2018: Five things you should know about the Yazidis; 10.12.2018 5)The National: Living in the shadows: Yazidi women tell of ISIS hell; 21.06.2018

Tausende kamen ums Leben, 6.383 Frauen und Kinder wurden versklavt. Die Menschen kennen nichts anderes als Gewalt, Hoffnungslosigkeit und Hunger. Das weibliche Geschlecht wurde von der Terrorgruppe gezwungen, zum Islam zu konvertieren. Die, die versuchten zu fliehen, wurden mit Gruppenvergewaltigung bestraft. Viele Jesidinnen hatten Asche aufs Gesicht geschmiert, um weniger attraktiv zu wirken, Haare der Töchter geschnitten, um sie als Jungen zu tarnen und auch vorgetäuscht stumm zu sein, nur damit sie überleben können. Wegen den Zuständen und Verfolgung sind einige ins Ausland geflüchtet, auch wenn sie lieber im Mutterland bleiben wollten. Die Auswirkungen für die jesidischen Frauen sind verheerend. Die Frauen, die es geschafft haben ins Ausland zu fliehen, leiden bis heute an ihren Erlebnissen. In Kanada sollen in einer Einrichtung 286 Jesiden-Frauen und Kinder untergebracht sein. 6 davon leiden unter einem akuten Trauma, das ständig Anfälle auslöst, die zwischen 20 Minuten und 3 Stunden andauern können. Dieses Ereignis hat das Leben vieler Frauen und Kinder zerstört, da ihre Anfälle und Angst ihr Leben nun bestimmen. Es ist mittlerweile bekannt, dass ISIS auch Kinder vergewaltigt und Frauen gezwungen hat, sich das anzuschauen. 6)(The National: Living in the shadows: Yazidi women tell of ISIS hell; 21.06.2018 7)CBS: Yazidi refugees in Canada suffering PTSD-related seizures need their families: doctor; 04.12.2018

Viele Frauen wurden unter den ISIS Mitglieder im Irak und Syrien verteilt. Aus diesen Vergewaltigungen sind auch Kinder entstanden. Unter den Frauen herrscht großer Zwiespalt, ob diese Kinder geliebt oder verstoßen werden sollen. Die Verwandtschaft der Jesdiden, insbesondere im Ausland, ist sich aber einig, dass dieser Nachwuchs nicht zum Familienkreis dazugehört. Diese Ansichtsweise wurde auch vom Jesiden-Führer, Babashekh Khirto Hadji Ismail, 2015 bekräftigt, als dieser den Frauen erlaubte zurückzukehren, aber ohne die Kinder. Wenn die befreiten Frauen ein neues Leben beginnen wollen, sind diese dazu gezwungen, ihre Kinder im Irak zurückzulassen. Die Jesiden begründen diese mit der Wahrung ihrer muslimischen Identität. Verwandte beschwichtigen dann junge Mütter, dass die Kinder sich in 10 Tagen nicht mehr an sie erinnern würden. Dennoch fühlen sich die Frauen noch schuldig. Sie müssen mit dem Gewissen leben, ihr Fleisch und Blut zurückgelassen zu haben. 150.000 Flüchtlingskinder leben noch im Irak. 8)The National: Yazidi mothers of children by ISIS face heartbreaking choices; 28.10.2018 9)The Daily Star: Displaced children at risk in Iraq; 11.12.2018

Die UNO verkündet, dass ein Gerichtsverfahren gegen die Terroristen aufgrund des Massakers gegen die Jesiden-Minderheit 2019 eingeleitet wird. Es ist ein Verbrechen gegen die Menschheit. Nadia Murad, die zurzeit in Deutschland Zuflucht gefunden hat, wurde entführt und von ISIS als Sexsklavin benutzt. 2018 wurde sie mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Für sie bedeutet Gerechtigkeit, die Terroristen nicht zu töten, sie aber zur Rechenschaft zu ziehen. Es werden noch viele Psychologen gebraucht, um die Traumata der Frauen zu bewältigen. Ebenso müssen noch sprachliche und kulturelle Barrieren überwunden werden. Obwohl die Jesiden vergewaltigt wurden, sagen sie, dass sie verheiratet wurden. Eine Aufklärung ist nötig! Mehr als 3.000 Frauen und Kinder sind noch in der Gefangenschaft und sie geraten immer mehr in den Hintergrund der internationalen Medien. 10)The National: UN team to begin probe of ISIS crimes in Iraq in early 2019; 05.12.2018 11)The Straits Times: Probe of ISIS crimes in Iraq to start in early 2019; 06.12.2018 12)France24: Black Forest sanctuary for IS-abused Yazidi women; 07.12.2018 13)The National: Living in the shadows: Yazidi women tell of ISIS hell; 21.06.2018 

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Hallo ich bin die Maria. Ich studiere Politikwissenschaft, Amerikanistik und Geschichte. Die Internationale Politik ist für mich interessant, deswegen mache ich bei Earthlink mein Praktikum.

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