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Wie unser Tabakkonsum in den Produktionsländern massives Leid verursacht

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Trocknen von Tabakpflanzen in Malawi Die Tabakproduktion macht vor Ort die Menschen extrem krank und kontaminiert die Böden |  Bild: ©  IFPRI -IMAGES [CC BY-NC-ND 2.0]  - Flickr

Die Tabakproduktion macht vor Ort die Menschen extrem krank und kontaminiert die Böden | Bild: © IFPRI -IMAGES [CC BY-NC-ND 2.0] - Flickr

Wie unser Tabakkonsum in den Produktionsländern massives Leid verursacht

Zur Entspannung, aus Stress oder einfach um dazuzugehören – es gibt viele Situationen, in denen immer noch ein Großteil von uns zur Zigarette greift. Zwar geht die Zahl der Raucher seit einiger Zeit stetig zurück, dennoch ist das Rauchen immer noch ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft. Somit ist auch der Handel mit Tabak immer noch lukrativ. Deutschland ist als größter Zigarettenexporteur weltweit ganz vorne mit dabei. Doch wo kommt der Rohstoff dafür eigentlich her? Die Frage führt nach Afrika – genauer gesagt in fruchtbare Länder wie Malawi oder Tansania. Mit jeder von uns gerauchten Schachtel Zigaretten unterstützen wir dort eine unmenschliche Industrie. Sie billigt Krankheit, Hunger und Ausbeutung – nur um des Profits Willen. Doch macht sich hierzulande kaum ein Raucher über die Auswirkungen seiner Abhängigkeit für andere Menschen Gedanken. 1) srf: Tabak macht Malawi abhängig und krank; Artikel vom 15.10.2016 2) netzfrauen: Zementieren Entwicklungsgelder Malawis Tabak-Problem? Entwicklungsgeld für blauen Dunst?; Artikel vom 06.01.2016

Ein Betroffener ist der malawische Tabakbauer James Mwale (Name geändert). Er lebt mit seiner Familie in einer kleinen Hütte umgeben von Tabakfeldern. Der Geruch in seinem Zuhause gleicht einem europäischen Zigarrengeschäft. Aus Armutsgründen müssen alle inmitten der giftigen Tabakernte leben. Ordentliche Kleidung, Schuhe oder Vieh kann er sich nicht leisten. Sein einziger Erwerb stammt aus dem Verkauf der Tabakblätter. Diese Tatsache macht ihn zu einem Sklaven der Großbauern, welche wiederum von der Politik und den Tabakkonzernen abhängig sind. Um die harte Arbeit auf den Feldern bewältigen zu können, muss James auch seinen kleinen Sohn mit einspannen. Wie er sich selbst und ihm dabei schadet, weiß er genau. Nur bleibt ihm keine andere Wahl, um bis zum Ende der Saison ca. 120 Euro erwirtschaften zu können – Umgerechnet der Wert von zwei Stangen Zigaretten. 3) srf: Tabak macht Malawi abhängig und krank; Artikel vom 15.10.2016

Seit langem zahlt er einen bitteren Preis für seine Arbeit. Er leidet wie fast alle Tabakbauern unter der sogenannten „grünen Tabak Krankheit“. Da James täglich Unmengen der Droge Nikotin über die Haut aufnimmt,  ist er von ihr betroffen. Die Beschwerden bei dieser Erkrankung sind vielzählig. Sie beginnt mit einer chronischen Bronchitis, einem daraus resultierenden stechenden Schmerz im Brustbereich sowie häufigen Kopfschmerzen und Schwindel. Im nächsten Stadium kann es zu Erbrechen, vereiterten Atemwegen und stark erhöhtem Bluthochdruck kommen. Dies führt – wenn nicht zum sicheren Tod – doch oftmals zu einer Krebserkrankung. Die lächerliche Schutzkleidung, welche er von den Tabakkonzernen zur Verfügung gestellt bekommt, besteht aus einem Mundschutz und zwei Latex-Handschuhen. Bis heute wurde kaum über die Folgen einer Nikotinaufnahme durch die Haut geforscht. Nur dass ein Arbeitstag auf dem Feld eine Wirkung wie 50 Zigaretten hat, ist bekannt. 4) srf: Tabak macht Malawi abhängig und krank; Artikel vom 15.10.2016 5) daserste: Malawi: Giftige Tabakernte; Artikel vom 22.05.2017

Auch die Natur zahlt für die Stillung des internationalen Bedarfs einen hohen Preis. Im Nachbarland Tansania wird für einen kurzfristigen Tabakanbau der größte Trockenwaldgürtel der Welt abgeholzt. Außerdem entziehen die Pflanzen dem Boden deutlich mehr Nährstoffe als andere. Dazu kontaminiert das Düngemittel den Boden und die Wasservorräte nachhaltig – zum Nachteil für künftige Generationen. 6) netzfrauen: Zementieren Entwicklungsgelder Malawis Tabak-Problem? Entwicklungsgeld für blauen Dunst?; Artikel vom 06.01.2016

Heute leben 50 Prozent der Bevölkerung Malawis an der Armutsgrenze, 80000 Kinder müssen auf den giftigen Feldern arbeiten und der Hunger im Land ist groß. Die fruchtbare Anbaufläche ist vollkommen vom Tabak belegt. Eine baldige Änderung dieses Zustands ist unwahrscheinlich, liegt das Land doch in der Hand der Tabakkonzerne. Ein gern angewandtes Mittel ist dabei die finanzielle Parteienunterstützung. Wenn eine Partei Arbeitsrecht und Gesundheitsstandards ausbauen will, wird einfach der Gegner gestärkt. Obwohl Tabakprodukte immer teurer werden, erhalten die Bauern vor Ort immer weniger für ihre Ernte. Trotzdem schaffen sie es nicht ohne Hilfe auf andere Anbauarten umzuschwenken. 7) srf: Tabak macht Malawi abhängig und krank; Artikel vom 15.10.2016 8) correctiv: Grün war die Hoffnung; Artikel vom 01.07.2016

Damit die Nahrungsmittelknappheit in Malawi und anderen afrikanischen Ländern gelöst werden kann, haben die G8 und Russland 2012 die „New Alliance for Food Security and Nutrition (NAFSN) ins Leben gerufen. Die Menschen sollen von Armut und Hunger befreit werden – so das Ziel. Großkonzerne haben sich dabei verpflichtet, in die betroffenen Länder massiv zu investieren. Wirkliche Hilfe könnte aber nur vordergründig stattfinden. Eine „Erst Reis dann Tabak“ Strategie scheint wahrscheinlich. Auch Deutschland beteiligt sich mit einer halben Milliarde Euro an dem Projekt, ebenso wie die EU. Gleichzeitig führt Deutschland jedoch ein Diversifizierungsprogramm durch, um den Bauern mögliche Wege zur Umstellung auf Sonnenblumen, Soja oder Nüsse aufzuzeigen. Hier ist eine zielgerichtete und widerspruchsfreie Vorgehensweise von Nöten. Man kann nicht gleichzeitig Firmen unterstützen, denen die Tabakproduktion am wichtigsten erscheint und nebenbei durch Prestigeprojekte aufzeigen, dass man bereit ist den Betroffenen zu helfen. 9) correctiv: Grün war die Hoffnung; Artikel vom 01.07.2016

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Fußnoten und Quellen:   [ + ]

christian / earthlink

Projektmitarbeiter, zuständig für die Entwicklung und Durchführung von Projekten bzw. Kampagnen, Fundraising, Einarbeitung und Betreuung von Praktikanten und ehrenamtlichen Mitarbeitern. Aktuelle Projekte: Aktiv gegen Kinderarbeit, Drogen Macht Welt Schmerz, Fluchtgrund

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