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Sahel – Warum eine ganze Region von ständiger Destabilisierung gekennzeichnet ist

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 Der Einfluss radikaler Islamisten reicht weit - von Somalia nach Mosambik (Symbolbild) |  Bild: "Silhouette of soldier" © (c) Zabelin  [Royalty Free]  - Dreamstime

Der Einfluss radikaler Islamisten reicht weit - von Somalia nach Mosambik (Symbolbild) | Bild: "Silhouette of soldier" © (c) Zabelin [Royalty Free] - Dreamstime

Sahel – Warum eine ganze Region von ständiger Destabilisierung gekennzeichnet ist

Die Sahel-Region reicht vom Senegal im Westen Afrikas bis in den Osten Äthiopiens. Mit 5400 Kilometern Länge und bis zu 1000 Kilometer Breite sind ihre Ausmaße gigantisch. Es ist die Region, die zwischen der Wüste Sahara und den südlichen Savannen liegt und insgesamt 14 Länder umfasst. Die Region ist von einem semi-trockenem Klima gekennzeichnet und im Durchschnitt regnet es nur 100- 600 Millimeter jährlich und es ist fast immer heiß. Trotzdem leben über 60 Millionen Menschen in der Sahel, die als ärmste Region Westafrikas gilt und 12 der 14 Länder der Sahel zählen zu den am wenigsten entwickelten Ländern weltweit (Least Developed Countries). 1) Irinnews: Backgrounder on the Sahel, West Africa’s poorest region: Veröffentlicht am 02.06.2008 2) UN: LDCS at a glance: Stand März 2018

Doch warum gab es in den letzten Jahren in fast allen Ländern in der Sahel-Region interne Konflikte, in Form von Bürgerkriegen und Putschen? Ein Hauptgrund ist der Klimawandel, der das Leben in einer Region, die sowieso schon von prekären Lebensbedingungen gekennzeichnet ist, noch schwerer macht. Allein in den letzten 10 Jahren gab es 3 große Dürren, die oft weite Teile der Region betroffen haben und auch 2018 sind mehr als 6 Millionen Menschen in der Sahel von einer Hungersnot bedroht. Die meisten Menschen dort leben als Nomaden oder selbstversorgende Bauern und sind daher besonders betroffen, wenn der Regen ausbleibt. 3) Africanews: Hunger and conflict push northern Burkina Faso into crisis: Veröffentlicht am 30.03.2018 4) The North Africa Post: Famine threatens over 6 million people in Sahel: Veröffentlicht am 09.07.2018

Normalerweise gibt es in der Sahel-Region zwischen Juli und Oktober eine Hungerperiode, aber dieses Jahr gab es viele Familien im Norden Burkina Fasos, die schon im März Probleme hatten ihre Grundversorgung zu sichern. Zudem gibt es in der Region seit einiger Zeit einen bewaffneten Konflikt, der schon tausende Menschen in die Flucht getrieben hat. Viele Schulen und Krankenhäuser in der wurden geschlossen und die Menschen sind auf Lebensmittelhilfen angewiesen. Jedoch ist es wegen des bewaffneten Konflikts schwer für die Helfer, die Bedürftigen zu erreichen und ausreichend zu versorgen. 5) Africanews: Hunger and conflict push northern Burkina Faso into crisis: Veröffentlicht am 30.03.2018

Klimawandel und immer häufigere Dürren sind ein wachsendes Problem in der Sahel-Region. Aber auch der steigende Druck einer stark wachsenden Bevölkerung, der die Versorgung mit Wasser und Nahrung an ihre Grenzen bringt, ist ein Problem, welches sich in den kommenden Jahren noch zuspitzen wird. Bis 2020 sollen schon 100 Millionen Menschen in der Sahel-Region leben, 2050 werden es 200 Millionen sein. Dadurch wird der Druck auf die natürlichen Ressourcen steigen und Ressourcenkonkurrenz kann schnell in einen blutigen Konflikt übergehen und schon jetzt sind mehr als 80 Prozent der Flächen in der Sahel degradiert. 6) Irinnews: Backgrounder on the Sahel, West Africa’s poorest region: Veröffentlicht am 02.06.2008 7) New York Post: African activist: climate change is fueling conflict, extremism: Veröffentlicht am 12.07.2018

Die malische Aktivistin Hindou Ibrahim erklärte bei einem Treffen des UN Security Councils im Juli, dass die Menschen in der Sahel keine Wahl haben. Ressourcenknappheit hat zu Migration und wachsender Unsicherheit durch Extremistengruppen geführt. Sie meinte, wenn ein Vater seine Familie nicht mehr ernähren kann, hat er nur zwei Optionen: Entweder er bleibt im Land und schließt sich den Extremisten an oder er macht sich auf den Weg nach Europa. 8) New York Post: African activist: climate change is fueling conflict, extremism: Veröffentlicht am 12.07.2018

Extremistengruppen in der Sahel hatten in den letzten Jahren einfaches Spiel. Die Region ist gekennzeichnet von schwachen Regierungen und weiten Landstrichen, in denen kaum staatliche Präsenz vorhanden ist und die somit einen idealen Rückzugsort für Extremisten bieten. Ableger des Islamischen Staat sowie von Al- Qaida und Boko Haram sind in mehreren Ländern aktiv. Millionen Menschen sind intern auf der Flucht und die instabile Sicherheitslage hat auch die Tore für den Menschenhandel nach Europa geöffnet, der in den letzten Jahren stark zugenommen hatte. 9) The Arab Weekly: The interconnected terrorist threats in North Africa and the Sahel: Veröffentlicht am 15.07.2018

Prekäre Lebensverhältnisse in den Ländern der Sahel sowie wenige wirtschaftliche Möglichkeiten, verstärkt durch Klimawandel, Bevölkerungsdruck und eine instabile Sicherheitslage machen die Region zu einer tickenden Zeitbombe, in der die Bewohner immer wieder von Gewalt und den Auswirkungen des Klimawandels heimgesucht werden. Daher ist es kein Wunder, dass ständig Menschen auf der Flucht sind, sich Extremisten anschließen oder es Putsche oder Bürgerkriege gibt.

Klimawandel macht die Sahel-Region noch lebensfeindlicher, jedoch haben die Menschen dort wenig zu der Entwicklung beigetragen. Die reichen Länder müssen endlich die Klimaziele effektiv umsetzen, denn durch unser Unterlassen wird das Leben in dieser Region für die Bewohner noch schwerer werden. Zudem scheuen sich Unternehmen noch immer, in diesen Regionen zu investieren, denn die afrikanischen Länder, die am meisten ausländische Direktinvestitionen bekommen, sind Südafrika, Nigeria und Ägypten. Also die Länder, die sowieso schon am weitesten entwickelt sind – während in die Länder der Sahel-Region kaum investiert wird. Jedoch werden solche Investitionen in der Region dringend benötigt, um den Menschen langfristige Perspektiven zu geben, ihren Lebensstandard zu verbessern, Extremismus im Keim zu ersticken und Fluchtursachen zu bekämpfen. Nur so können die Sustainable Development Goals auch langfristig umgesetzt werden und die Menschheit hat sich in der Agenda 2030 dazu verpflichtet, dies zu erreichen. 10) Sustainable Development Knowledge Platform: Sustainable Development Goals: Stand 23.08.2018 11) Central Intelligence Agency: The world Factbook: country comparison, stock of direct foreign investment: Stand 23.08.2018

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Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Über

Ich arbeite ehrenamtlich in den Projekten "Fluchtgrund" und "Aktiv gegen Kinderarbeit" mit. Studiert habe ich African Studies with Development und World Heritage Studies und arbeite seit Ende meines Studiums in der Flüchtlingshilfe.

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