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Überfischung der Ozeane zerstört einheimische Fischerei des Globalen Südens

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Kleinfischer im Senegal Kleinfischer im Senegal |  Bild: ©  Sebastián Losada [CC BY-SA 2.0]  - Flickr

Kleinfischer im Senegal | Bild: © Sebastián Losada [CC BY-SA 2.0] - Flickr

Überfischung der Ozeane zerstört einheimische Fischerei des Globalen Südens

In Rom tagt derzeit – vom 9. bis zum 13. Juli – der Ausschuss für Fischerei der UN-Ernährungs- und Agrarorganisation FAO. Anlass ist die Veröffentlichung des „Berichtes über den Zustand der Weltfischbestände und der Aquakultur“ SOFIA (engl.: „State of World Fisheries and Aquaculture“). Die vorgelegten Zahlen zeigen auf: 70 Prozent  der Fischbestände sind an der Grenze zur Überfischung. Überfischung bedeutet, dass „in einem Gewässer dauerhaft mehr Fische gefangen werden als durch natürliche Vermehrung nachwachsen oder zuwandern“ (Wikipedia). Während der Wildfang seit den 1990er Jahren stagniert, nimmt die Aquakultur zu – wobei die Wachstumsraten nicht mehr ganz so rasant sind wie noch in den 1980er und 1990er Jahren. Ein erheblicher Teil des Wildfangs wird zu Fischmehl verarbeitet, so dass mittlerweile mehr als die Hälfte des Fisches und der Meeresfrüchte für den menschlichen Verzehr aus der Aquakultur stammt. Damit einher gehen leider auch die negativen Aspekte der Massentierhaltung. In den letzten 60 Jahren ist die Nachfrage nach Fisch rasant gestiegen: Lag der weltweite Pro-Kopf-Verbrauch von Fisch und Meeresfrüchten in den 1960er Jahren noch bei 10 Kilogramm, so wurde 2017 mit 20,5 Kilogramm bereits das Doppelte verspeist. Ein akuter Druck auf die Fischbestände geht von der Meeresverschmutzung, Offshore-Projekten, der Schifffahrt, dem Tourismus und dem Klimawandel aus. Die Betroffenen sind die armen Küstengemeinden – sie sind am stärksten von einem intakten Zustand des Ökosystems abhängig. Francisco Mari, Referent von „Brot für die Welt“, hält diesbezüglich fest: „Mit der zunehmenden Überfischung und dem Verlust der Fischbestände werden die Existenzgrundlagen der Kleinfischer gefährdet. Ihre zentrale Rolle für die Ernährungssicherheit im Globalen Süden muss jedoch in jedem Fall gewahrt bleiben.“ Es geht also darum, einen Drahtseilakt zu vollführen zwischen der globalen Bedeutung der Fischerei für die Ernährungssicherheit und der Notwendigkeit, die Fischbestände nachhaltig zu bewirtschaften. 1) Epo.de: FAO-Bericht – Überfischung der Weltmeere nimmt weiter zu und beschleunigt sich; Artikel vom 11.7.2018 2) BR: FAO-Bericht zum Fischkonsum – Immer mehr Fische kommen auf den Teller; Artikel vom 10.7.2018 3) Wikipedia: Überfischung; Stand: 12.7.2018

Kayar ist eine 23.000-Einwohnerstadt an der senegalesischen Küste. Fischereiflotten aus China, Russland und der EU, ausgestattet mit großzügigen Fanglizenzen, tummeln sich dort auf dem Meer. Mor, ein einheimischer Fischer, berichtet über deren Einfluss auf seinen Alltag: „Früher musste man zum Fischen nicht weit rausfahren. Unsere Väter haben nahe an der Küste große Fische gefangen und vielmehr als wir. Doch unsere Bevölkerung wächst und es gibt immer mehr Fischer. Und dann sind da auch die ausländischen Boote.“ Nicht selten fischen sie mehr als sie dürfen – illegal. „Die holen an einem Tag das aus dem Meer, wofür 300 unserer Pirogen einen Monat bräuchten. Wir gehen jeden Tag fischen. Es reicht trotzdem nicht. Aber was sollen wir sonst tun? Es gibt keine andere Arbeit“, sagt Mor. Angesichts dieser Perspektivlosigkeit haben sich tausende Fischer aus dem Senegal aufgemacht und versucht nach Europa zu fliehen. Studien des „Overseas Development Institute“ haben nach einjähriger Beobachtung der Methoden der Flotten ergeben, dass viele von ihnen doppelt so viel fischen,wie es eigentlich erlaubt wäre. Um dies zu vertuschen, wird die Beute noch auf hoher See eingefroren, auf Containerschiffe umgeladen und weggebracht. Durch den illegalen Fischfang verliert Westafrika etwa 1,2 Milliarden Euro pro Jahr. „Wir gehen davon aus, dass 300.000 neue Jobs in der Region geschaffen werden könnten, wenn dieses Geld in die lokale Fischerei-Industrie investiert werden würde. Es würde zu mehr Wohlstand und zu mehr Perspektiven führen. Die Menschen würden in ihrer Heimat bleiben und nicht versuchen, woanders einen Job zu finden“, führt Ishbir Matheson, Leiterin der Studie, aus. 4) Das Erste: Senegal – Der aussichtslose Kampf der Fischer; Bericht vom 23.10.2016

Um der hohen Anzahl von nicht-berichteten oder sogar illegalen Fangaktivitäten entgegenzuwirken, wurde Anfang 2016 eine Konferenz in der mauretanischen Hauptstadt Nouakchott abgehalten, an der Vertreter aus der Industrie, Regierungen, UN-Behörden und der Zivilgesellschaft teilnahmen. Als Ergebnis ging daraus die „Fischerei Transparenz Initiative“ (FiTi) hervor. Deren Ziel ist es, Regierungen und Industrie-Fischerei dazu zu bringen, ihre Fangzahlen, Fangtechniken, Aktivitäten der Fangboote, Fanglizenzen sowie den Zustand der Fangbestände offenzulegen. Als Hauptrednerin trat Isabella Lövin, die schwedische Entwicklungsministerin, auf und verwies darauf, dass ohne die Eindämmung der illegalen Fangpraktiken der Fischindustrie und der sie unterstützenden Regierungen das Entwicklungsziel 14 der Vereinten Nationen zur nachhaltigen Nutzung der Ozeane nicht erreicht werden könne. Aus ihrer Erfahrung berichtete sie, wie schwierig es war, das EU-Fischereikartell von Fangnationen, EU-Kommission und Mehrheit im Fischereiausschuss des EU-Parlamentes aufzubrechen. Und doch stand am Ende als Ergebnis 2013 eine EU-Fischereireform für die Fangaktivitäten ihrer Flotte, welche von allen Interessenvertretern akzeptiert wurde und unter anderem auch von Organisationen wie „Brot für die Welt“ sehr positiv bewertet wurde. Dennoch besteht natürlich die Gefahr, dass eine solche Vereinbarung zum Papiertiger verkommt, welcher lediglich als Feigenblatt für und zur Legitimierung von kriminellen Aktivitäten dient. Aus diesem Grund ist es umso dringlicher, dass die zivilgesellschaftlichen Akteure den Prozess mit einem gesunden Maß an Skepsis begleiten, kontrollieren und evaluieren. 5) Brot für die Welt: Für mehr Transparenz auf den Meeren – Mauretanien startet Fischerei-Initiative; Artikel vom 8.2.2016

 

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Projektmitarbeiter, Sozialwissenschaftler und Friedens- und Konfliktforscher; Interessensschwerpunkte: Geostrategie, Internationale Beziehungen, Wirtschafts- und Finanzsystem; Aktuelle Projekte: Radiosendung in Kooperation mit unserem Partner Radio LORA; Kampagnen: Fluchtgrund, Drogen Macht Welt Schmerz, Aktiv gegen Kinderarbeit

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