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Senegal – Wo die Wüste das Land verschlingt

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Folgen von Klimawandel und falscher Bodenbearbeitung: Trockenheit reduziert die Ernteerträge  Bild: © Hoxuanhuong [All rights reserved]  - Dreamstime.com

Bild: © Hoxuanhuong [All rights reserved] - Dreamstime.com

Senegal – Wo die Wüste das Land verschlingt

Der Senegal gilt schon lange als ein sicheres Herkunftsland, trotzdem haben im Jahr 2015 über 13 000 Senegalesen ihre Heimat verlassen. Die meisten kamen nach Italien, Brasilien oder Deutschland. 1) Laenderdaten: Flüchtlinge aus Senegal: Stand: 25.06.17  Der Senegal gilt als stabiles Land mit einer funktionierenden Demokratie und einer regen Zivilgesellschaft. Die wenigsten bekommen Asyl in Europa und trotzdem versuchen vor allem viele junge Männer, über das Mittelmeer dorthin zu kommen. 2) Zeit online: Gehen? Bleiben! Im Senegal muss niemand um sein Leben fürchten und keiner verhungern. Warum aber wollen so viele weg?: Veröffentlicht am 26.10.16

Über 70 Prozent der Bevölkerung arbeiten in der Landwirtschaft 3) USGS: A climate trend analysis of Senegal: Stand: 25.06.17  und auch die Fischerei ist eine wichtige Einnahmequelle im Senegal. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt laut nationalen Statistiken bei 13 Prozent, jedoch wird sie von internationalen Organisationen auf 43 Prozent geschätzt. 4) Zeit online: Gehen? Bleiben! Im Senegal muss niemand um sein Leben fürchten und keiner verhungern. Warum aber wollen so viele weg?: Veröffentlicht am 26.10.16

Viele Flüchtlinge aus dem Senegal werden als Wirtschaftsflüchtlinge abgestempelt, doch das ist nur die halbe Wahrheit. Der Senegal liegt am Rande der Sahara in der sogenannten Sahel-Zone, die von Trockenheit geprägt ist. Doch die Sahara breitet sich immer weiter nach Süden aus und verschlingt so viel fruchtbares Land. 5) BBC News: Desertification: The people whose land is turning to dust: Veröffentlicht am 12.11.15

Laut UN sind weltweit 1,5 Milliarden Menschen von der Degeneration des fruchtbaren Bodens betroffen und bis 2020 könnte es 50 Millionen Klimaflüchtlinge geben. Klimawandel, mit steigenden Temperaturen und sinkenden Regenfällen ist einer der Hauptgründe für die Ausbreitung der Wüste. 6) BBC News: Desertification: The people whose land is turning to dust: Veröffentlicht am 12.11.15 Im Senegal lag zwischen 2000 und 2009 der durchschnittliche Regenfall 15 Prozent unter dem Durchschnitt der Jahre 1920 bis 1969 und auch die durchschnittliche Jahrestemperatur ist seit 1975 um 0,9 Grad Celsius angestiegen. 7) USGS: A climate analysis of Senegal: Stand: 25.06.17

Dadurch hat sich die Bodenqualität verschlechtert, die Ernteerträge sind gesunken und auch für das Nutzvieh gibt es weniger Weideflächen. Viele Senegalesen haben ihre Dörfer schon verlassen müssen, da sich die Wüste so weit ausgebreitet hatte und ihr Zuhause unbewohnbar wurde. Sie konnten einfach nicht mehr von dem leben, was der unfruchtbar gewordene Boden noch hergab. Viele sind in die Städte abgewandert, aber einige wollen auch nach Europa. 8) BBC News: Desertification: The people whose land is turning to dust: Veröffentlicht am 12.11.15

Zudem wächst die Bevölkerung im Senegal stetig:  Mit circa 2,5 Prozent Zuwachs pro Jahr wird sie sich alle 27 Jahre verdoppeln. 9) BBC News: Desertification: The people whose land is turning to dust: Veröffentlicht am 12.11.15  Das bedeutet, dass der Druck auf die Landwirtschaft wächst. Darin liegt ein hohes Risiko, denn durch Überbewirtschaftung kann auch die Bodenqualität weiter abnehmen, was wiederum die Ausbreitung der Wüste begünstigt.

Doch Schuld am Klimawandel und der Ausbreitung der Wüste hat nicht der Senegal. China und die USA waren im Jahr 2016 die beiden mit Abstand größten CO2-emittierenden Länder. Aber auch Deutschland war für 2,23 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich. 10) Statista: Die Zehn Länder mit dem größten Anteil am CO2 Ausstoß weltweit im Jahr 2016: Stand: 25.06.17  Im Gegensatz dazu betrugen die CO2-Emissionen von ganz Afrika nur etwa ein Viertel mehr als die von Deutschland. Ein Bewohner Deutschlands ist auch für fast 15 Mal so viel CO2-Emissionen verantwortlich wie ein Bewohner Senegals. 11) Millenium Development Goals Indicators: Carbon Dioxide Emissions (CO2), metric tons of CO2 per capita (CDIAC): Stand: 25.06.17

Obwohl wir in Europa eine große Verantwortung für den Klimawandel tragen, trifft es diejenigen, die am wenigsten dazu beitragen, am härtesten. Vielen Bewohnern Senegals bleibt nichts anderes übrig, als ihre Heimat zu verlassen und die gefährliche Überquerung des Mittelmeers zu wagen. Doch in Europa sind sie unerwünscht und Klimaflüchtlinge werden nach der Genfer Flüchtlingskonvention nicht anerkannt und erhalten als „Wirtschaftsflüchtlinge“ kein Asyl. 12) UNHCR: Die Genfer Flüchtlingskonvention: Stand: 25.06.17  Viele leben dann in der Illegalität, denn nur circa 34 Prozent der Senegalesen bekommen einen positiven Asylbescheid. 13) Pro Asyl: „Sichere Herkunftsländer: Im Zweifel gegen den Schutzsuchenden?: Veröffentlicht am 15.10.15

Wenn es bis 2020 tatsächlich 50 Millionen Klimaflüchtlinge geben sollte, müsste sich auch an der Internationalen Gesetzgebung etwas ändern, damit diese Flüchtlinge in einem anderen Teil der Welt eine Zukunft finden und nicht zur Illegalität verdammt werden.

Die Afrikanische Union hat sich 2007 gegen den Klimawandel und die Wüstenbildung ausgesprochen und das Projekt „Great Green Wall for the Sahara and Sahel Initiative“ (GGWSSI) ins Leben gerufen. Dabei soll ein über 8000 Kilometer langer und 15 Kilometer breiter Baumkorridor vom Senegal bis nach Dschibuti gepflanzt werden. Mittlerweile sind 15 Prozent der ursprünglich geplanten Bäume gepflanzt und auch das Projekt wurde an die lokalen Gegebenheiten angepasst. So soll nun doch keine Mauer mehr entstehen, sondern eher ein Mosaik aus großen Grünflächen, in die nachhaltige Umweltinitiativen integriert werden. Bisher ist das Projekt ein voller Erfolg und viele Tierarten sind wieder zurückgekehrt. Auch die Menschen profitieren davon, dass der Boden wieder fruchtbarer wird. 14) Heise online: Afrikas Grünstreifen- Wüstenbildung Einhalt gebieten: Veröffentlicht am 07.06.17

Dennoch muss Europa und auch die anderen großen Klimasünder Verantwortung übernehmen und weiter daran arbeiten, weniger Klimagase auszustoßen, denn sonst wird es für viele Menschen unmöglich sein, in ihrer Heimat zu leben.

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Fußnoten und Quellen:   [ + ]

3 Kommentare
  • Heiko Klein
    Veröffentlicht um 17:29h, 17 Juli Antworten

    wieso bekommen 30% einen positiven Asylbescheid? Und wenn Deutschland für 2,23 % der Kloimagase verantwortlich ist, sollten wir auch 2,23% der Klimaflüchtlinge aufnhemen. Wenn die USA und China ihrerseits aufnehmen…ich hab schpon 50% Abgaben, mir reichts. Ich will nciht für die ganze Welt zahlen müssen…ich wähl AFD

    • Matthias Schneebeli
      Veröffentlicht um 21:41h, 31 Juli Antworten

      Klimawandel ist aber nicht der einzige Grund fürs Auswandern. Deutschland ist z.B. weltweit der drittgrösste Waffenexporteur – wegen Kriegen flüchten auch viele. Ganz zu schweigen von Überfischung und Landgrabbing, auch durch die Europäer. Deine Milchmädchenrechnung geht also in keiner Weise auf. Aber du wählst die Schwachköpfe der afd ja auch nicht aufgrund deiner wahnsinns Argumente ….

  • Horst Meier
    Veröffentlicht um 12:40h, 13 März Antworten

    guter beitrag, dennoch muss ich matthias schneebelis meinung zustimmen!!

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