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Zahl der minderjährigen Flüchtlinge hat sich verfünffacht

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Flüchtlingskind in Afghanistan Flüchtlingskind in Afghanistan |  Bild: © Global Panorama [CC BY-SA 2.0]  -

Flüchtlingskind in Afghanistan | Bild: © Global Panorama [CC BY-SA 2.0] -

Zahl der minderjährigen Flüchtlinge hat sich verfünffacht

Die 17-jährige Mary wollte eine Zukunft mit Perspektiven. Sie beschloss, Nigeria zu verlassen. Auf ihrer Flucht lernte sie Ben kennen, der ihr versprach, ihr in Europa Arbeit zu verschaffen und die Kosten bis dorthin vorzustrecken. Doch er führte sie in die Arme von Menschenhändlern, die sie gefangen hielten, sie vergewaltigten, verprügelten und hungern ließen. Marys Schicksal ist kein Einzelfall. Millionen Kinder sind aufgrund von Gewalt, Konflikten, Armut, Diskriminierung oder Perspektivlosigkeit auf der Flucht. Viele müssen den schwierigen Fluchtweg alleine bewältigen: 2010/11 waren 66.000 Kinder unbegleitet unterwegs, 2015/16 300.000. Die Zahl hat sich also fast verfünffacht. Tausende von ihnen gelangen in die Obhut von Schleusern und Menschenhändlern. Vergewaltigungen, Gewalt und Prostitution nehmen dann das Leben dieser Kinder ein. Das geht aus dem neuen UNICEF-Bericht „A child is a child. Protecting children on the move from violence, abuse and exploitation“ hervor. Der Report dokumentiert die Fluchtursachen und Motive der Heranwachsenden und legt besonderen Fokus auf die Gefahren, denen sie ausgesetzt sind. „Jedes einzelne Kind, das sich allein auf die Suche nach einer neuen Heimat macht, ist eines zu viel. Wir Erwachsene tun zu wenig, um sie zu schützen“, sagte Justin Forsyth, stellvertretender Exekutivdirektor des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen. „Skrupellose Schleuser und Menschenhändler nutzen die Verletzlichkeit der Mädchen und Jungen aus. Sie helfen ihnen über die Grenzen, nur um sie wie Sklaven zu verkaufen oder zur Prostitution zu zwingen.“ 1) Unicef: Report: A child is a child; Bericht vom 01.05.17 Dort entstehen katastrophale Folgen für das psychische und körperliche Wohl der Kinder: Sie werden zu absolutem Gehorsam gezwungen, das Selbstbewusstsein schwindet und sie werden traumatisiert und seelisch schwer verletzt.

Die Gründe, weshalb Kinder und Jugendliche aus ihrer Heimat fliehen und alles hinter sich lassen, sind vielfältig. Nach wie vor werden weltweit rund 250.000 Kinder in mindestens 20 Ländern in Afrika, Asien und Lateinamerika von bewaffneten Gruppen und Armeen als Soldaten rekrutiert und im Kampf eingesetzt. Dies kommt zum großen Teil in Ländern wie Nigeria, Libyen, Sudan, Jemen, Syrien, Irak und Afghanistan vor – beispielsweise aus Nigeria kamen mit die Meisten jungen Flüchtlinge. Auch Angst vor einer Zwangsheirat im Kindesalter, geschlechtsbezogener Gewalt oder Genitalverstümmelung sind Fluchtgründe. Folgen des Klimawandels und Naturkatastrophen rauben Lebensraum und zerstören Lebensgrundlagen. 2) Unicef: Report: A child is a child; Bericht vom 01.05.17

Bewaffnete Konflikte werden oft auf dem Rücken der Bevölkerung ausgetragen. Die Ermordung oder Vertreibung von Menschen, die Zerstörung ziviler Infrastruktur und der Lebensgrundlagen der Bevölkerung sowie die damit verbundenen humanitären Notlagen werden von den Konfliktparteien, wenn nicht absichtlich herbeigeführt, einfach in Kauf genommen. Als schwächste Bevölkerungsgruppe sind Kinder am stärksten von bewaffneten Konflikten betroffen. Auch  die Verschlechterung medizinischer Versorgung und Angriffe auf Schulen sowie die Konsequenzen von Vertreibung und Nahrungsmittelknappheit treffen die jungen Menschen besonders hart. Hinzu kommen Entführungen und der direkte Missbrauch der Kinder durch die Konfliktparteien, sei es indem sie als Schutzschilde benutzt, als Arbeitssklaven oder Soldaten eingesetzt oder sexuell ausgebeutet werden. UNICEF geht derzeit von mehr als 250 Millionen Kindern aus, die gegenwärtig von bewaffneten Konflikten betroffen sind.

Vor allem aber ist Deutschland seit vielen Jahren einer der größten Waffenexporteure der Welt. In alle Länder, in denen es Kindersoldaten gibt, liefert Deutschland Waffen und Munition. Tonnenweise Pistolen, Gewehre und Patronen lässt die Bundesregierung dorthin exportieren, wo Kriege jeden Tag hunderte Menschen das Leben kostet. 3) terre des hommes: Kleinwaffen in Kinderhänden; Studie vom 02.17 Aus diesen Ländern, wie beispielsweise Nigeria, flüchten besonders viele Kinder, um Krieg, Armut und Perspektivlosigkeit hinter sich zu lassen.

Im vergangenen Jahr hatten bei einer Umfrage der Internationalen Organisation für Migration (IOM) drei Viertel aller Flüchtlingskinder, die von Afrika aus auf dem Seeweg nach Italien gekommen waren, von Fluchterlebnissen berichtet, die nahelegen, dass sie Opfer von Menschenhandel und Ausbeutung wurden. Bei Befragungen in diesem Jahr stieg der Anteil sogar auf 91 Prozent. Unicef will, „dass die sicheren und legalen Wege der Migration und der Flucht für Kinder“ erweitert werden. Außerdem müsse die Inhaftierung geflüchteter Kinder aufhören, forderte das Kinderhilfswerk. Kinder dürften nicht in Einrichtungen für Erwachsene festgehalten werden.  Und alle minderjährigen Flüchtlinge und Migranten müssten Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung erhalten. 4) Tagesspiegel: Zahl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge verfünffacht; Artikel vom 18.05.17

Diese Woche findet der G7-Gipfels in Italien statt, bei dem sich Staats- und Regierungschefs treffen, um über Weltwirtschaft, Außenpolitik, Sicherheit und ökologische Nachhaltigkeit zu diskutieren. Unicef fordert, das Thema Migration und die damit verbundenen Gefahren für Millionen von geflüchteten Kindern nicht außen vor zu lassen. Hierbei soll überlegt werden, wie der Sechs-Punkte-Plan in die Tat umgesetzt werden könnte. Dieser umfasst zum Beispiel die Bekämpfung von Fluchtursachen, Schutz vor Ausbeutung und Gewalt sowie das Bewahren der Familieneinheit. 5) Epo.de: Zahl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge hat sich seit 2010 verfünffacht; Artikel vom 17.05.17 Denn besonders Kindern sollte größerer Schutz zugutekommen. Sind doch genau sie diejenigen, die ihr gesamtes Leben noch vor sich haben und unsere Zukunft sind.

 

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Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Chiara Laut

Drei Jahre ist mein Abitur jetzt her - was ich genau machen möchte, weiß ich immer noch nicht, die Orientierungsphase läuft weiter. Was ich sicher weiß, ist, dass ich mich für Menschenrechte und deren Aufklärung einsetzen will - und hoffe, dass Earthlink mir dafür eine Möglichkeit bietet.

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