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Nachfrage nach Elektrogeräten nährt Konflikte in der Demokratischen Republik Kongo

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Konfliktrohstoffe im Kongo  Bild: ©  ENOUGH Project [CC BY-NC-ND 2.0]  - Flickr

Bild: © ENOUGH Project [CC BY-NC-ND 2.0] - Flickr

Nachfrage nach Elektrogeräten nährt Konflikte in der Demokratischen Republik Kongo

Ein Leben ohne Smartphone, Laptop oder Tablet – heutzutage ist das kaum vorstellbar. Aber was ist der Preis dafür, dass wir weltweit zu jeder Zeit erreichbar sein können und die digitale Kommunikation im Alltag mittlerweile nahezu unvermeidlich ist?

Minerale wie Coltan und Kobalt werden zur Herstellung all dieser Geräte benötigt. Primär ist Coltan im Herzen Afrikas vorzufinden, der höchste Anteil in dem Krisenland der Demokratischen Republik Kongo. Das Paradoxon, das im Allgemeinen als Ressourcenfluch bezeichnet wird, zeigt sich auch hier sehr deutlich. Armut, Korruption, Gewalt und Konflikte sind die Folge. Der Abbau von Bodenschätzen im Kongo zieht Gewaltorgien nach sich, obwohl viele Versuche unternommen wurden, bewaffnete Banden zu stoppen. UN-Soldaten patrouillieren durch die Straßen. Über 20 000 Blauhelmsoldaten wurden im Zuge einer der größten Friedensmissionen aller Zeiten vor Ort stationiert und trotzdem wird die Region weiterhin von Gewalt erschüttert. 1) Deutschlandfunk Kultur: Warum viele Länder trotz Rohstoffreichtum arm bleiben; Artikel vom 19.05.15

Die Grausamkeit, die dort an der Tagesordnung steht, ist kaum vorstellbar. Ein 15-jähriger Junge wurde gezwungen, seinen Onkel und neun weitere Menschen hinzurichten, weil er ansonsten zu Tode gefoltert worden wäre. Tag für Tag werden Frauen in Ost-Kongo von Bewaffneten vergewaltigt und verschleppt, die Dörfer überfallen, um so weitere Gebiete zu erobern. Hier ist sexuelle Gewalt eine Kriegswaffe. Den Männern geht es in erster Linie nicht darum ihre Triebe zu befriedigen, sondern um die Ausübung von Macht. Auch Stöcke und Gewehrkolben werden genutzt, um Frauen zu misshandeln.

Schon seit mehr als zwei Jahrzehnten gelingt es der korrupten Führung in der Demokratischen Republik Kongo nicht, für Stabilität zu sorgen und so die Gräueltaten zu unterbinden. Die Cheka-Miliz, die nahe der Stadt Walikale ihr Unwesen treibt, hat es auf die Minen abgesehen. Der Verkauf der Mineralien finanziert ihnen die Waffen, die sie benötigen, um ihr Machtgebiet zu erweitern.

Trotz der Menschenrechtsverletzungen, der Kinderarbeit und der Grausamkeit wird die westliche Nachfrage durch die Bodenschätze des Kongos gestillt. Mittlerweile gibt es Regelungen, die verhindern sollen, dass unsere Nachfrage derartige Konflikte wie im Osten der Demolkratischen Republik Kongo nicht weiter anheizt. 2) Lausitzer Rundschau: Bodenschätze im Kongo befördern Orgien und Gewalt; Artikel vom 25.04.17

Beispielsweise sind in den USA börsennotierte Firmen verpflichtet, durch die sogenannte Dodd-Frank Regelung offenzulegen, woher sie Rohstoffe wie Gold, Zinn und Wolfram beziehen. Demnach wird dokumentiert, in wie weit auch das importiere Coltan aus einer legalen, „ konfliktfreien“ Mine stammt. Doch dieses System hat viele Lücken und wird dementsprechend umgangen. Der Schwarzmarkt für diese Minerale ist gigantisch und die illegal abgebaute Ressource wird häufig in legale Minen geschmuggelt und dort abgepackt. Dennoch ist die Regelung sinnvoll und hat die Lage im Kongo ein wenig verbessert. US–Präsident Donald Trumps Vorhaben ist es jedoch, dieses Gesetz wieder abzuschaffen und so rollt er den Kriegsherren im Kongo den roten Teppich zur Macht aus.

In jedem Smartphone, das in Masse produziert wird, stecken wenige Gramm von dutzenden Mineralien, die diese Konflikte schüren und die Situation dort verschärfen. Also trägt jeder von uns, der ein Smartphone besitzt, Mitverantwortung für das, was im Kongo passiert und die wenigsten sind sich dessen bewusst. Demzufolge ist es ratsam, zweimal über die Notwendigkeit bezüglich der Anschaffung eines neuen Mobilfunkgeräts nachzudenken. Ist es wirklich erforderlich, jährlich ein neues Smartphone zu kaufen, und so dem überflüssigen von den Unternehmen angepriesenen Konsum nachzugeben? 3) Das Erste: Das schwarze Gold für Handys; Artikel vom 04.12.16

Mittlerweile achten immer mehr Firmen darauf, dass die Rohstoffe als „konfliktfrei“ zertifiziert werden. Abgesehen davon beweist eine kleine Initiative namens Fairphone, dass die Möglichkeit besteht, ein Smartphone von der Mine bis zum Hersteller unter guten Arbeitsbedingungen zu produzieren. Außerdem ist es sinnvoll, das kaputte Handy vor der endgültigen Entsorgung reparieren zu lassen oder wenigstens diese Möglichkeit in Betracht zu ziehen. Nachhaltiges Verhaltens seitens der Konsumenten kann gerade in diesem Rohstoffkonflikt einiges auslösen. Hier fängt es beim Einzelnen an.

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Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Sophia Spotscheck
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